SWR1-Interview mit mir am Valentinstag: Blumen finden immer die richtigen Worte

Wer meine Arbeit erst seit ein paar Jahren verfolgt, wird wahrscheinlich nicht wissen, dass ich ein sehr vielseitiger Mensch bin und deshalb beispielsweise auch einmal einen Online-Blumenversand gegründet und entwickelt habe. Er hieß „bunte-wunder.de“, war von 2009 – 2014 aktiv und hatte als Besonderheit die Herstellung von Blumensträußen im Fachhandel mit sofortiger Lieferung innerhalb von 60 Minuten bzw. zur Wunschzeit des Kunden. Wir haben dabei ausschließlich mit lokalen Blumenläden und Kurierunternehmen zusammengearbeitet und waren in einer ganzen Reihe deutscher Städte, darunter auch in ganz Hamburg, München und Köln aktiv.

Es war eine interessante, aber auch sehr stressige Tätigkeit und so war dann am Anfang des Jahres 2014 für mich der Zeitpunkt gekommen, zu dem ich mich einmal selber ernsthaft mit dem Entdecken der eigenen Berufung auseinandersetzen musste. Im Ergebnis habe ich mich dann voll und ganz für meine jetzige Tätigkeit entschieden, die vorher nur ein Randthema gewesen war. 🙂

Kürzlich ist mir durch Zufall wieder einmal etwas aus der damaligen Zeit in Erinnerung gekommen, das durchaus sehr psychologischer Natur ist, weshalb ich es jetzt auch auf dieser Website veröffentlichen möchte. Und zwar handelt es sich dabei um ein Radio-Interview, das ich im Jahr 2013 am Valentinstag der Journalistin Stefanie Jacob in der SWR1-Sendung „Der Abend“ zu psychologischen Aspekten des Schenkens von Blumen gegeben habe.

Dieses kurze Interview mit mir (Dauer 3:33 Minuten) können Sie jetzt über die Player auf dieser Seite nachhören.

Die Aufnahme steht auch zum Download bereit.

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Die Vorbereitung des Beitrags aufseiten des SWR1 lag in den Händen von Franziska Thees, Redakteurin in der SWR-Chefredaktion, und da nicht alle ihrer im Vorfeld formulierten spannenden Fragen Eingang in den gesendeten Beitrag finden konnten, stelle ich auch diese hier mit meinen Antworten gerne als Hintergrundmaterial zu dieser Radiosendung zur Verfügung.

Eine Kurzfassung dieser Inhalte finden Sie übrigens in einem kleinen Aufsatz, den ich bereits vor einiger Zeit auf dieser Website veröffentlicht habe.


Blumen sind eigentlich total unpraktisch, sie halten gerade mal eine Woche, man kann nichts mit ihnen machen, sie nur hinstellen und anschauen. Gut, man kann noch daran riechen – weshalb, Herr Kaiser, sind Blumen trotzdem wunderbar?

»Genau deswegen. Gerade weil einem Blumenstrauß jeder praktische Nutzen fehlt, konzentriert sich seine Wirkung auf das eigentliche Ziel, nämlich dem Betrachter durch die Schönheit der Blumen eine Freude zu machen. Handelt es sich bei den Blumen um ein Geschenk, wird man beim Anblick des schönen Straußes zusätzlich mehrmals am Tag und eine ganze Woche lang noch an die Person erinnert, von der man ihn bekommen hat. Und davon haben dann am Ende sogar beide etwas, denn es trägt zur (positiven) Gestaltung der Beziehung bei.

Auf diesem Wege erreicht also die Botschaft des Schenkenden das Herz des geliebten Menschen besonders eindrücklich. Blumen finden dabei immer die richtigen Worte und sagen zum anderen auf situativ passende Art „Ich freue mich so, dass es dich gibt.“ Praktische Geschenke haben natürlich auch ihren Platz in unserem Leben, eine solche Wirkung können sie jedoch nur selten erreichen.«

Sie sagen, Blumen sind das perfekte Geschenk – andere sagen, Blumen sind ziemlich phantasielos. Was entgegnen Sie denen?

»Wie gut Blumen als Geschenk im Einzelfall geeignet sind, hängt natürlich von den konkreten Umständen ab. Einige Gründe, warum Blumen in vielen Fällen eine gute Wahl sind, habe ich gerade schon erwähnt. Doch wenn man mit dem Geschenk vor allem Zuneigung ausdrücken möchte, haben Blumen noch einen psychologischen Vorteil. Dieser hat mit dem Aspekt der Zeit bzw. der Vergänglichkeit zu tun.

Liebeserklärungen im weitesten Sinne halten nämlich nicht ewig, sondern man muss sie regelmäßig erneuern. So wie es eben nicht reicht, dem Partner bei der Hochzeit einmal gründlich und für allemal zu versichern, dass man ihn wirklich liebt und immer lieben wird. Nein, wenn die Beziehung so gut bleiben soll wie am Anfang, muss man diese Zusicherung schon gelegentlich wiederholen.

Damit stellt sich die Frage, wie oft dies denn am besten geschehen sollte. Die Antwort darauf müssen Paare natürlich am besten selber finden. Aber wenn mich jemand fragt, dann ist meine Antwort: so ca. einmal pro Woche. Und wie lange hält ein Blumenstrauß? In den meisten Fällen so ca. eine Woche. Die Haltbarkeit der Blumen entspricht also ziemlich genau der einer Liebeserklärung und das ist ein weiterer Grund, weshalb beide so gut zusammenpassen. Und wenn die Blumen dann verblüht sind, ist es auch schon wieder Zeit, sich erneut etwas einfallen zu lassen. Es müssen und dürfen natürlich nicht immer nur Blumen sein. Am wichtigsten ist es, sich Zeit für den Partner zu nehmen. Das ist wohl das wirklich perfekte Geschenk in einer Beziehung.«

Unsere Zeit ist nicht mehr romantisch, also haben romantische Gesten doch auch weniger Stellenwert als früher – oder wie erleben Sie das?

»Auf den ersten Blick mag das tatsächlich so scheinen. Betrachtet man jedoch den Zeitgeist näher, muss man eher zu einem gegenteiligen Schluss kommen. Wir erleben ja praktisch seit nunmehr ca. 15 Jahren eine technische Revolution, die auf der Verbreitung des Internets basiert. Anders als bei früheren technischen Durchbrüchen in der Geschichte handelt es sich dieses Mal um ein globales Phänomen. Manche meinen sogar, dass damit ein neues Zeitalter begonnen hat, und ich halte das durchaus für möglich. Auf alle Fälle ist seine Wirkung nicht nur auf Produktion und Wirtschaft beschränkt, sondern hat inzwischen alle Lebensbereiche ohne Ausnahme erfasst.

Das alles verändert das Leben der Menschen enorm und daran muss sich jeder von uns erst einmal gewöhnen. Das dauert eben seine Zeit und ist nicht für jeden gleichermaßen einfach. So lange man mit den resultierenden Umbrüchen im Alltag nicht souverän umgehen kann, bereiten einem diese neuen Herausforderungen eine Menge Stress. Und wie die neuesten Burnout-Statistiken zeigen, geht das momentan sehr, sehr vielen Menschen und nicht nur in Deutschland so. Es liegt dann auf der Hand, dass romantische Gesten u.ä. schnell zu den ersten Opfern einer solchen Entwicklung gehören. Doch das heißt in keiner Weise, dass der Ausdruck von Gefühlen weniger wichtig geworden ist. Im Gegenteil vermute ich, dass die Sehnsucht danach eher zugenommen haben dürfte.

Damit stellt sich die Frage, wie man mit beiden Tatsachen konstruktiv umgehen kann. Denn so ein persönlicher Anpassungsprozess an neue gesellschaftliche Gegebenheiten dauert etwas und man kann ihn nicht so einfach beschleunigen. Kommt jedoch die emotionelle Seite auf Dauer zu kurz, wird dies zusätzlich zu großen negativen Konsequenzen für die Betroffenen führen. An der hohen Anzahl scheiternder Ehen und Paarbeziehungen können wir das tagtäglich sehen.

Was kann man also vorbeugend tun? Man kann vor allem bewusst versuchen, regelmäßig innezuhalten, und sich daran erinnern, was bzw. wer einem im Leben wichtig ist. Und dafür sollte man sich dann auch wenigstens ein Minimum an Zeit nehmen. Wer das tut, wird auch (wieder) die richtigen romantischen Ausdrucksformen dafür finden. Blumen können ein schöner passender Ausdruck sein. Es gibt aber noch viele, viele andere Möglichkeiten und die meisten kosten noch nicht einmal Geld. Da das Gesamtniveau hinsichtlich romantischer Gesten in Deutschland inzwischen so niedrig ist, werden selbst kleine Bemühungen schon gewürdigt. Man könnte ja als Mann beispielsweise wieder beginnen, den Damen in den Mantel zu helfen. Oder mit der Partnerin einen Tanzkurs besuchen. Oder den Partner gelegentlich von der Arbeit abholen. Wer nicht einmal weiß, was denn in seinem konkreten Fall das Richtige wäre, könnte damit beginnen, es herauszufinden. Auch das würde schon zählen.«

Mit einem Blumenstrauß kann man keine Frau erobern oder einen Streit beilegen – oder etwa doch? Warum?

»Mit einem Blumenstrauß alleine sicherlich nicht. Da muss man sich als Mann doch etwas mehr bemühen. Aber natürlich sind Blumen ein wunderbares Mittel, ein solches Anliegen zu bekräftigen. Man kann es sich dabei gerade mit Blumen etwas leichter machen, denn Blumen finden schneller die richtigen Worte. Wichtig ist, dass es einem dabei aufrichtig um die Gestaltung der Beziehung geht. Wer Blumen nur benutzen will, um beispielsweise der Klärung eines Beziehungsproblems aus dem Weg zu gehen, wird damit nicht weit kommen.«

In welcher Situation ist ein Strauß eher sogar das Falsche?

»Selbstverständlich immer dann, wenn sich der andere nichts aus Blumen macht, oder wenn praktische Gründe dagegensprechen. Gerade habe ich schon erwähnt, dass der eigentliche Grund für ein (Blumen)-Geschenk immer ein ehrliches und konstruktives Anliegen sein sollte. Wer es nur als Trick verwendet, verstärkt damit am Ende nur die negative Wirkung. Darüber hinaus sollte man keine Blumen schenken, wenn so die Gefahr eines Missverständnisses geschaffen wird. Speziell mit anonymen Blumenüberraschungen sollte man deshalb sehr vorsichtig sein. Grundsätzlich gilt: wenn man bei seinen Überlegungen von Anfang an auch den anderen im Blick hat, wird man im Einzelfall schnell wissen, was das Richtige ist.«

Sie sind ein Mann, freuen Sie sich, wenn Sie Blumen geschenkt bekommen? Warum sind Männer schwerer für Blumen zu begeistern?

»Ich persönlich liebe Blumen und Pflanzen und freue mich immer, wenn ich welche geschenkt bekomme. Darüber hinaus kaufe ich mir gelegentlich auch selber welche, weil sie die Wohnung so viel schöner machen. Das gilt vor allem für die Tulpensaison, denn Tulpen sind meine Lieblingsblumen. Ich gebe aber zu, dass ich als Mann da eine Ausnahme bin, und ich weiß auch nicht genau, woher das bei mir kommt. Wahrscheinlich liegt es an meiner romantischen Ader, die deutlich ausgeprägter ist, als bei vielen anderen Männern.

Allgemein glaube ich, dass Männer ein anderes Verhältnis zu Blumen haben als Frauen. Diese Beziehung ist bei Männern eher indirekt. Männer reden nicht (von alleine) über Blumen, denn es ist für sie kein Thema, zu dem es viel zu sagen gibt. Das heißt aber gleichzeitig nicht unbedingt, dass ihnen Blumen nichts bedeuten und dass sie Blumen im Haus nicht auf ihre Art genießen können.

Ich denke, dass für Männer dabei oft der „Umweg“ über die Frauen notwendig ist. Vergleichsweise habe ich beobachtet, dass viele Männer in Single-Haushalten sich weniger Mühe als allein lebende Frauen geben, die eigene Wohnung gemütlich einzurichten und schön zu gestalten. Mit dem entsprechenden Ergebnis sind sie dann aber auch nicht glücklich. Für Männer ist es nicht nur bequem, wenn die Frau an ihrer Seite für all diese Dinge wunderbar sorgt und es deshalb so schön zu Hause ist. Das Resultat wirkt sich sehr wohl auch positiv auf die emotionale Situation der Männer aus, auch wenn es den meisten von ihnen vielleicht nicht bewusst wird. Ich denke, dass der Umgang mit Blumen ein Beispiel für diesen Unterschied zwischen Frauen und Männern ist. Frauen können sich in den meisten Fällen also schon darauf verlassen, dass ihre Bemühungen ankommen, sollten aber mit dem Versuch vorsichtig sein, Männer auch in längere Gespräche darüber verwickeln zu wollen. Männer und Frauen sind eben nicht gleich und es wäre sehr traurig, wenn das anders wäre. Mit der richtigen Einstellung kann man diese Unterschiede auch genießen.«